Warum russische Verbraucher Bosch verklagen wollen breaking news

Produkte und Dienstleistungen von Bosch finden sich fast überall. Auch in Russland. Bis heute: Im April kündigt das Unternehmen an, den russischen Markt trotz Krieg und Sanktionen nicht zu verlassen. Trotzdem sind russische Verbrauchern sauer. Im April v...

Warum russische Verbraucher Bosch verklagen wollen breaking news

Produkte und Dienstleistungen von Bosch finden sich fast überall. Auch in Russland. Bis heute: Im April kündigt das Unternehmen an, den russischen Markt trotz Krieg und Sanktionen nicht zu verlassen. Trotzdem sind russische Verbrauchern sauer. Im April v...

Warum russische Verbraucher Bosch verklagen wollen breaking news
07 Ağustos 2022 - 08:00

Breaking NewsProdukte und Dienstleistungen von Bosch finden sich fast überall. Auch in Russland. Bis heute: Im April kündigt das Unternehmen an, den russischen Markt trotz Krieg und Sanktionen nicht zu verlassen. Trotzdem sind russische Verbrauchern sauer.

Im April verkündet der neue Bosch-Chef Stefan Hartung eine unpopuläre Entscheidung. Er teilt mit, dass der deutsche Traditionskonzern Russland trotz des Angriffs auf die Ukraine nicht verlassen wird. "Es geht hier nicht nur um die geschäftliche Sicht, sondern in erster Linie auch um unsere fürsorgliche Pflicht. Wir tragen Verantwortung für all unsere Mitarbeiter - für die rund 360 in der Ukraine, aber auch für die 3500 in Russland", erzählt er in einem Interview mit dem "Handelsblatt".

Hartung orientiert sich mutmaßlich am Grundsatz von Unternehmensgründer Robert Bosch, der im Youtube-Kanal des deutschen Traditionsunternehmens zu finden ist: Lieber Geld verlieren als Vertrauen.

Doch das Vertrauen in Bosch leidet trotzdem. Im März kritisiert der ukrainische Außenminister Dmytro Kuleba bei Anne Will in der ARD, dass den ukrainischen Truppen Fahrzeuge der russischen Infanterie in die Hände gefallen sind. "Wir haben in eines dieser Fahrzeuge hineingeschaut", erzählt er zur besten Sendezeit. "Und herausgefunden, dass Teile der Hauptkomponenten, die dieses Fahrzeug antreiben, von Bosch geliefert wurden. Bosch hat jahrelang für militärische Maschinerie notwendige Komponenten geliefert, damit russischen Truppen in die Ukraine einmarschieren, Zivilisten erschießen und unsere Städte zerstören können."

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Der deutsche Industriekonzern gibt sich nach der Sendung reumütig - teilweise jedenfalls. Ja, das Teil stamme aus der eigenen Produktion, teilt Bosch mit. Es sei aber nicht von Bosch selbst an den russischen Rüstungshersteller geliefert worden.

Produktion und Lieferungen sinken

Keine überraschende Aussage, denn alles andere wäre möglicherweise ein Verstoß gegen Sanktionen der EU gewesen, die schon 2014 nach der russischen Annexion der Krim gegen Russland verhängt wurden: Diese verbieten Lieferungen bestimmter Dual-Use-Güter nach Russland. Das sind Bauteile, die sowohl für zivile als auch militärische Zwecke verwendet werden können. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) leitet im März im Namen des Bundeswirtschaftsministeriums Ermittlungen gegen Bosch ein.

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Der Konzern versucht, zu beschwichtigen. Ja, man habe den russischen Markt nicht verlassen. Das Geschäft wurde aber trotzdem zurückgefahren - und zwar massiv, hatte Bosch bereits nach der Kritik des ukrainischen Außenministers erklärt. Demnach werden vor allem für das Automobilgeschäft weniger Waren nach Russland geliefert, an den drei Standorten vor Ort aber auch weniger hergestellt. Der Handel mit Ersatzteilen und LKW-Komponenten sei bereits zum Erliegen gekommen.

Tausende Beschwerden

Möglicherweise deshalb ist nicht nur die Ukraine sauer auf Bosch, sondern auch Russland. Im Juli berichtet die russische Tageszeitung "Kommersant", dass eine russische Verbraucherorganisation zwei Standorte des Konzerns verklagen will, um die Durchführung von Garantiereparaturen zu erzwingen, darunter die BSH Hausgeräte GmbH in St. Petersburg.

Wo finde ich "Wieder was gelernt"?

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Demnach haben sich Tausende Kunden beschwert, dass ihre Geräte für Haushalt und Garten defekt sind, aber nicht repariert werden - obwohl sie darauf Anspruch haben und Bosch angekündigt habe, dass Garantien trotz des Krieges Bestand hätten.

Bei "Kommersant" versichert das Unternehmen, dass man weiterhin alle Verpflichtungen erfülle. Auch ntv.de hat gefragt, ob und welche Reparaturen Bosch in Russland noch durchführt. Bosch antwortet, nur leider nicht auf diese Frage.

Repariert wird, wenn Ersatzteile vorhanden sind

Aber womöglich zeigt der Fall Apple, wo das Problem liegen könnte, denn gegen den iPhone-Hersteller werden in Russland ähnliche Vorwürfe erhoben, obwohl ein autorisierter Apple-Service-Provider noch im Juni versucht, zu entwarnen: Reparaturen würden durchgeführt - wenn die nötigen Ersatzteile vorhanden sind.

Denn das scheint die eigentliche Krux zu sein, wie "Kommersant" schon im Juni berichtet: Für das iPhone 13 gibt es keine Displays mehr in Russland. Für das iPhone 10 fehlen Akkus. Erwartbar, denn Apple hat den russischen Markt anders als Bosch ganz verlassen. Der Verkauf aller Geräte werde gestoppt, teilte der iPhone-Hersteller Anfang März mit. Man habe alle Lieferungen ausgesetzt - natürlich auch von Ersatzteilen.

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Aber viele Russinnen und Russen hätten iPhone, Macbook und Co schon vor dem russischen Angriff auf die Ukraine gekauft, erklärt Politologe Alexander Libman von der Freien Universität Berlin im ntv-Podcast "Wieder was gelernt". "Wenn das der Fall ist, haben die Unternehmen nach wie vor Verpflichtungen, denen sie nachkommen müssen. Und wenn sie das nicht machen, haben sie ein rechtliches Problem - falls jemand klagt und dieses Urteil international durchsetzt."

"Verpflichtet, Wartung wieder aufzunehmen"

Apple und die allermeisten anderen Unternehmen haben den russischen Markt freiwillig verlassen, Russland oder auch sich sozusagen selbst sanktioniert. Schlüsseltechnologien und Dual-Use-Güter, die für das Militär genutzt werden können, stehen auf der Sanktionsliste, Haushaltsgeräte und Konsumelektronik nicht. Aber das Bild ist schwammig: Bereits in frühen Kriegstagen das russische Militär offenbar Kühlschränke und Geschirrspüler ausgeschlachtet, um an Bauteile für Panzer und Raketen zu kommen.

Grundsätzlich sei Bosch aber verpflichtet, die Wartung der Waren wiederaufzunehmen, ärgert sich die russische Verbraucherinitiative bei "Kommersant". Das sieht auch Alexander Libman so. Mit dem Verkauf ihrer Geräte hätten Bosch und Apple Garantiezusagen gemacht, die sie auch nach dem russischen Angriff auf die Ukraine honorieren müssten. Man könne nicht aus ethischen Gründen Verträgen brechen, sagt der Politologe. "Stellen Sie sich vor, die Wasserwerke teilen Ihnen mit, dass sie Ihre politischen Ansichten nicht mögen und Sie deswegen kein Wasser mehr bekommen. Das geht nicht."

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Bosch will der russischen Bevölkerung den Wasserhahn nicht abdrehen. "Relevante Aktivitäten", wie die Versorgung mit Heizkesseln, wolle der Konzern aufrechterhalten, teilt er auf Nachfrage von ntv.de mit. Gleichzeitig räumt Bosch ein, dass ein Großteil des Geschäfts aufgrund der "Sanktionen und aktuellen Rahmenbedingungen unterbrochen oder zum Stillstand gekommen" ist. Auch von "Lieferengpässen und einem deutlich erschwertem Marktzugang" ist die Rede.

Bosch hat sich entschieden, Russland nicht zu verlassen. Für russische Kunden ist das vermutlich kein Trost, denn tatsächlich scheint der Traditionskonzern nur noch symbolisch vertreten. Aber selbst wenn er verklagt wird und den Prozess verliert: Ohne Ersatzteile können Reparaturen nicht durchgeführt werden - warum auch immer sie den russischen Markt nicht erreichen.

Lieber Geld verlieren als Vertrauen, hat Robert Bosch mal gesagt. Es sieht so aus, als hätte Bosch im Ukraine-Krieg auf beiden Seiten beides verloren.

"Wieder was gelernt"-Podcast

"Wieder was gelernt" ist ein Podcast für Neugierige: Warum wäre ein Waffenstillstand für Wladimir Putin vermutlich nur eine Pause? Warum fürchtet die NATO die Suwalki-Lücke? Wieso hat Russland wieder iPhones? Mit welchen kleinen Verhaltensänderungen kann man 15 Prozent Energie sparen? Hören Sie rein und werden Sie dreimal die Woche ein bisschen schlauer.

Alle Folgen finden Sie in der ntv-App, bei Audio Now, Apple Podcasts und Spotify. "Wieder was gelernt" ist auch bei Amazon Music und Google Podcasts verfügbar. Für alle anderen Podcast-Apps können Sie den RSS-Feed verwenden.

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